2013 fahren wir nach Oregon!

unverbindliche Anmeldung:

Hood to coast Bericht 2007!

Carsten

Laufbahn

Laufbahn im Wald

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Der Weg zum Strand

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Sieger der Herzen "Team Burning Soles"

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Auf dem Weg zu dicken Beinen

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Sonnenbaden auf amerikanisch

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5-Sterne-Schlafplatz

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Der letzte Wechsel - noch 20km zum Bier

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Laufen ist schön

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ich habe fertig

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Ziel am Pacific - noch 100 Meter zum Bier

 

Die vier ‚B’s als Ziel
Hunderte Kilometer bis zum Pazifik beim Nike-Lauf ‚Hood to Coast’  
 - von Carsten Weinrich -


"Du, wir laden dich zu einem Staffelrennen in Oregon ein, das ist echt prima!" Das waren die Worte von Malte Stern, meinem Nike-Vertreter. Naja, dachte ich, so ein bisschen Staffelrennen ist ja kein Problem und passt auch in mein Training rein.

Im Laufe des Jahres tröpfelten dann mehr Informationen rein: Zwölf Leute pro Team und zwei Autos, eine Gesamtstrecke von 317 Kilometern, jeder muss dreimal rennen, und das Gelände ist hügelig. Die wussten schon, warum sie nicht sofort die Wahrheit sagten...


Dienstag um 6:00 Uhr ging der Stress los, Abflug nach Chicago und Weiterflug nach Portland. Der Zeitunterschied von neun Stunden und der lange Flug machten etwas schläfrig. Dafür durften wir uns in Portland noch ein Sportmuseum anschauen. Ich fiel nur noch in mein Zwei-Personen-Luxusbett und schlief durch. "Um 6:00 Uhr gehen wir laufen", hatte es geheißen. Allerdings war um sechs am nächsten Morgen keiner da, also lief ich alleine an einem schönen Fluss mitten durch die Stadt. Die anderen sind übrigens fünf Minuten vor oder nach sechs Uhr losgelaufen – hatten wohl Angst vor meiner Form!

Dann durften wir uns zwei Tage das Nike World Headquarter ansehen. Ich war beeindruckt, Ronaldo Soccerfield, eine Finnenbahn rund um das Gelände, ein komplettes Fitnessstudio mit Schwimmbad und eine 400-Meter-Bahn mitten im Wald – und alles für die Mitarbeiter. Ich glaube ich werde diesem Beispiel nicht folgen…

Volkslauf auf der Autobahn


Dann Raceday. Freitagfrüh rannten zirka 850 Läufer aus der ganzen Welt aufgeregt durch den Frühstückssaal. Nike hatte sie alle eingeladen, und so wurde es ein internationales Treffen.


Ich hatte noch etwas Zeit, erst um 14:00 Uhr sollte mein Team vom Mount Hood aus starten. Also Sachen für zwei Tage packen und auf ging’s. Je sechs Läufer saßen in einem Van, da wurde es ganz schön eng, doch zum Glück roch es trotz einiger Voraussagen nicht wie in einem Pumakäfig. Aber kuschelig, ist was anderes! Alle 15 Minuten starteten 20 Teams. So zieht sich der gesamte Start bei insgesamt 1000 Teams von morgens um 8:00 bis abends um 19:45 Uhr hin. Die schnellsten Teams gingen als letzte auf die Strecke. Die ersten zwei Laufabschnitte verliefen nur bergab (Nike-Mitarbeiter Malte berichtete später übrigens, dass er eine Woche nach diesem Rennen beim Training von einer Stockträgerin überholt wurde, so dicke Beine hatte er noch.).

Gelaufen wurde auf dem Seitenstreifen eines Highways mit allem drum und dran – also auch Trucks. Sowas kriegt man bei uns nicht genehmigt! Man muss sich mal vorstellen: Ein Volkslauf auf der Avus – lecker…


Wir spulten unser Programm souverän ab. Nach sechs Läufern wird an (nicht in!) den zweiten Van übergeben, und um viertel nach neun war ich dran. Nun sind die USA zwar anders, aber auch hier wird es abends dunkel, also: Nachtlauf. Es herrschte allgemeine Leuchtwesten- und Stirnlampenpflicht von 18 Uhr abends bis 7 Uhr in der Früh, denn die ganze Nacht wird ja durchgelaufen. Ich musste nur 7,3 Kilometer rennen, aber hatte schon vor dem Lauf durch die Fahrerei und die Hitze schwere Beine. Aber meine Zeit war trotzdem o.k., nur zu schnell. Immerhin hatte ich noch einen 7er und einmal 11,7 km vor mir.

From Mount Hood to the B(!)acific-Coast


Ihr werdet jetzt fragen, was mit Schlafen ist? Na, nicht sehr viel. Im Auto ein bisschen und dann gab es noch ‚sleeping areas’ an den großen Wechselpunkten. Dort habe ich im Schlafsack zirka 1,5 Stunden tief und fest gepennt. Es war so romantisch: Über mir der große Sternenhimmel Oregons, vor und neben mir losfahrende Autos (bums, die Tür ist zu), zirka 750 Klohäuschen (bums, die Tür ist zu), und da es ein Wechselpunkt war und alle ankommenden Läufer mit ihrer Startnummer ausgerufen wurden, gab es noch eine schöne Geräuschkulisse von hinten: " Runner 567 is coming!"

Gegen 2:30 Uhr mussten wir wieder laufen. Man versprach uns vier ‚B’s, und die waren unser Ziel: “Beer, Beens, Burger and Bacific!“ „Bacific“ ist sächsisch für Pacific, an dessen Küste das Rennen endet. Um es vorwegzunehmen: Wir wurden betrogen. Es gab keine Bohnen und keine Burger, dafür Hot Dogs und Pasta. Dafür war der Ozean genauso kalt wie das Bier. Oder kälter.


Als ich wieder an der Reihe war, wurde es langsam hell, und ich verzichtete illegalerweise auf die Stirnlampe – vielleicht war ich deshalb so schnell, oder weil’s bergab ging. Dann zum nächsten Wechselpunkt. Schlafen ging nicht, also Kaffetrinken und das Rennen genießen. Alle Autos waren geschmückt oder angemalt mit irgendwelchen coolen Sprüchen, jeder wollte der Beste sein – mit dem Mundwerk. Aber ich habe bei einem Wettkampf noch nie mit so vielen Leuten gequatscht. Es war einfach nur ’ne Riesenparty, allerdings gab es das Bier erst im Ziel.


Da wir viel zu schnell unterwegs waren, ließen wir den Läufer vor uns 25 Minuten am Wechselpunkt warten, der dann auch irgendwie sauer war. Unser Teamkapitän hatte seine Ankunftszeit falsch berechnet! Jedes Team muss nämlich seine angegebene Meldezeit einigermaßen einhalten, sonst gibt’s eine Strafe.

Der dritte Abschnitt war der härteste. Es ging rauf und runter, und die Beine wollte auch nicht mehr, sie fühlten sich an wie Pudding. Ich durfte als vorletzter noch mal ran: 11,7 km nur bergan (bin ja Bergläufer, ha, ha). Es war der schönste Streckenteil, keine Begleitautos und mitten durch einen Wald. Und bei mir rollte es. Ich habe immer nur auf den Einbruch gewartet, aber der kam nicht. Für diesen Abschnitt 5:40 Minuten pro Kilometer, ich war mächtig zufrieden.

Nach 26 Stunden und 21 Minuten erreichten wir das Ziel am P(B)acific. Dort bin ich nach zwei Bieren bei 12 Grad auch noch baden gegangen, und habe jetzt ’nen Schnupfen. Dann war ich nur noch müde und nach insgesamt sieben ‚B’s (sechs Biere und das Meer) fiel ich ins Koma.


Es war das verrückteste Rennen, das ich je mitgemacht habe. Die Teilnehmer feiern sich selbst und die anderen. So ein Wettkampf ist bei uns nicht denkbar: Wenig Verpflegung an der Strecke, fast ständige Begleitung von Vans auf großen und kleinen Straßen, kaum Schlaf, und im Ziel gibt es eine kleine Medaille, sonst nichts.

Dafür hat man hohe Kosten: 1000 Dollar Startgeld plus teilweise Automiete plus Futter. Aber 12000 Teilnehmer! Der ‚Hood to Coast’ ist bereits nach wenigen Stunden ausgebucht! Man muss schon ein bisschen einen an der Waffel haben, um da mitzumachen.

Ich fahre da, glaube ich, noch mal hin. Schlafen kann man auch später noch.

Bis dann und gute Nacht!

Carsten